Kirchen St Johannes 2018-05-04T15:02:48+00:00

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Bodolz-Schachen

Johannes der Täufer – „Der Weg zu Christus geht über ihn. Nicht nur für dieses eine Mal vor fast 2000 Jahren, sondern für jeden und für immer. Die Umkehr, die er predigt, ist für jeden und für immer der Weg zum Reich Gottes.“ Pfr. Helmut Bertele in der Festschrift zur Weihe der Pfarrkirche St. Johannes d.T.

Um aber gemeinsam zu glauben, zu leben und zu wirken, wird mehr als nur ein sakraler Raum gebraucht. Deshalb umfasst unser Gemeindezentrum auch Räume zur Begegnung von Christen aller Altersstufen, sei es zum Gespräch, sei es zur Feier oder zur Fröhlichkeit. Dazu dienen der Gemeinschaftsraum mit Küche und Garderobe neben dem Foyer, sowie im Kellergeschoß das ‚Bierstüble‘, mehrere Jugendgruppenzimmer, der Party- und der Billardraum.

Kindergarten und Wohngebäude für Mesner, Kindergärtnerin und Organisten befinden sich auf dem gleichen Grundstück.

Die Kirche St. Johannes der Täufer wurde in den Jahren 1970/71 erbaut

Der Grundstein wurde von Bischof Josef Stimpfle am 23. Mai 1971 gelegt.

Von außen gesehen, erkennt man an ihr nicht den besonderen Ort. Niedrig, flach, unauffällig ordnet sich der Bau in die Umgebung ein. Kein geräumiger Kirchplatz hält sie im Abstand von den Wohngebäuden der Menschen. Auch hat sie keinen in den Himmel ragenden Turm; doch er trägt eine Glocke, gestiftet von den evangelischen Christen in Aeschach. In nichts unterscheidet sie sich von den anderen modernen Bauten. Der Verzicht, Kulturdenkmal zu sein, ist deutlich sichtbar. Nüchtern, sachlich und kühl wirkt ihre Gestalt,

Beton, Glas und Holz – Kennzeichen unseres Jahrhunderts – sind die Bauelemente. Die großen, weiten Glasfenster durchbrechen die Starre des Betons. Durch sie wird die Natur in den Kultraum hineingenommen. Sie sollen aber auch die Offenheit gegenüber der Welt unseres Alltags zum Ausdruck bringen.

Im Grundriss der Kirche sind zwei ineinander gestellte Quadrate zu erkennen. Der große Teil ist der Versammlungsraum der Gemeinde, der kleine, höhere – im Alten Testament der Raum für die Bundeslade – ist der Gebetsraum, die Sakramentskapelle, der Ort der Anbetung und Meditation. Beide Teile sind durch den Tabernakel, den Eckstein, verbunden. Der äußere Gang erinnert sowohl an den Vorhof des alttestamentlichen Tempels, als auch an einen mittelalterlichen Kreuzgang.

Muttergottesfigur links neben der Orgel

Die Innenausstattung

soll die Situation des wandernden Gottesvolkes zum Ausdruck bringen. Sie dient auch Veranstaltungen, die dem Aufbau, dem Wohl und der Zurüstung des Gottesvolkes nützen und es bereitmachen. Alles ist beweglich, bereit zum Aufbruch im Namen des Herrn.

Der Altar, ein einfacher, runder Tisch steht im Schnittpunkt der Diagonalen der quadratischen Grundfläche. Er ist rund, denn die Kreisform ist das Symbol der Vollkommenheit. In ihm sind die Reliquien der Hl. Christina und der Hl. Märtyrer von Uganda (Afrika) eingelassen. Die schwere Eichenplatte – Eichenholz gilt als Symbol der Unsterblichkeit – ruht auf vier Bronzesäulen, die uns an die vier Evangelisten denken lassen. Diese vier Säulen treffen sich im Kreuz.

Die Kreisform des Altars setzt sich in der Anordnung der Stühle fort. Sieben schlichte Leuchter stehen zwischen den Gläubigen, nicht auf dem Altar. Sie weisen auf das Licht des Geistes hin, der die Finsternis erhellt, ebenso, wie darauf, dass die Gemeinde Jesu Licht für die Welt sein sollte. Sieben deshalb, weil sieben eine symbolische Zahl ist. Sie kommt im Alten und Neuen Testament dann vor, wenn vom Handeln Gottes mit den Menschen die Rede ist, angefangen von den sieben Tagen der Weltschöpfung bis zu den sieben Edelsteinen auf der Mauer des Neuen Jerusalems (Offb 21/22). Darüber hinaus bedeutet die Zahl sieben die Vielzahl, das Ewige.

Das Vortragekreuz steht unsymmetrisch im Raum. Bei seinem Anblick werden wir an einen Pilgerstab erinnert. Wir müssen wieder an die Wanderung des Gottesvolkes denken. Unser Kreuz ist nicht geschlossen, wie wir es gewohnt sind. Es ist von oben aufgebrochen, zu Gott hin geöffnet. Die Auferstehung ist geschehen. Die Freiheit in Gott beginnt. Die Mitte des Kreuzes bildet ein Amethyst aus Guatemala. In ihm können wir drei Farben erkennen: rot, blau und weiß. Rot wird als die Farbe Gottes, blau als die Jesu Christi und weiß als die des Hl. Geistes von alters her angesehen. So betrachtet, ruht in der Mitte des Kreuzes das Geheimnis der Dreieinigkeit.

Hinter verschlossenen, schweren Eichentüren ist das eucharistische Brot aufbewahrt. Man muss sie öffnen, so wie wir die Bibel öffnen, um Zugang zum Geheimnis zu haben, um in die Nähe des Herrn zu kommen. Zwischen zwei tragenden Betonsäulen ist der Lebensbaum eingewoben. Er ruht auf einem Kristall, der Christus versinnbildlicht. Aus ihm kommen Lebendigkeit, Bewegung und Freude. Diese Komposition, die trotz der schweren Bronze leicht wirkt, regt zur persönlichen Betrachtung, zum Gebet an.

Der runde Altar inmitten des Kreises von sieben Leuchtern

Die Orgel ist eine sogenannte Klein-Orgel. Ihr Gehäuse ist in der japanischen Holzart „Senn“  gearbeitet. Die Tasten der beiden Manuale sind aus Ebenholz, Padouk (afrikanisches Rosenholz) und Elfenbein.

Die Orgel hat 366 klingende Pfeifen, davon sind 86 Holzpfeifen. Die längste misst 2,60m, die kleinste 5 mm. Die Windversorgung leistet ein Spezial-Orgelgebläse. Die sieben Register und die Koppeln werden rein mechanisch betätigt. Um den Orgelklang in der Tonstärke variieren zu können, hat man das Instrument mit Türen versehen.

Betrachten Sie die Holzdecke, den Fußboden und die künstlerische Ausgestaltung. Lassen Sie diesen harmonischen Raum auf sich wirken. Hier geht es nicht um Kunst. Der Raum lebt nicht aus sich, wie in früheren Zeiten; er lebt durch die Versammlung der Gemeinde…

Die beiden Glasfenster West- und Nordwand nehmen den Blick gefangen. Der Gestaltung dieser Fenster lag der Gedanke zu Grunde, die Rolle des Propheten Johannes sichtbar zu machen. Johannes war ein Prophet in der Reihe der Propheten. Er war der letzte, aber auch der größte, denn er deutete auf den Messias hin. Die Geschichte der Propheten ist die Geschichte des Gottesvolkes. Sie beginnt im Alten Bund. Deshalb ist das linke Fenster symbolisch für den Alten Bund anzusehen. Die Wanderung des Gottesvolkes durch die Zeiten – die braune Farbe ist Zeichen für das Erdhafte, das Schwere, das Lastende – ist umgeben, umflossen und begleitet von den lebensspendenden Wassern Gottes. Diese finden in der Johannestaufe eine größere und tiefere Bedeutung. Denn dem, der die Bußtaufe empfängt, steht der Weg zum Messias, zum Neuen Bund, offen.

Der Weg des Gottesvolkes im Alten Testament wird durch das Auftreten der Propheten durchkreuzt und damit in Frage stellt und korrigiert. Das durch die Propheten verkündete Wort Gottes, seine Führung, seine Liebe und Gnade wird in der von oben nach unten laufenden roten Linie dargestellt.

Das sich immer wiederholende, ereignende Handeln Gottes an seinem Volk wird in den kreisförmigen Figuren aufgezeigt. Das rechte Fenster zeigt die Darstellung des Neuen Bundes. Das Vorläufige wird zum Endgültigen. Die Farben und Linien sind viel kräftiger, viel schärfer herausgestellt, denn sie sollen auf den Messias weisen. Die Taufe, die Jesus predigte, bringt nicht nur die Verheißung eines neuen Lebens, sondern sie bringt das neue Leben.

Die Offenbarung der Propheten des Alten Bundes erfüllt sich, vollendet sich. Sie gipfelt in der Offenbarung durch den Messias. Das geschieht nicht von Mal zu Mal wie im Alten Testament, sondern in einem radikalen Aufriss. Das Erdhafte, Sündige, Böse ist zusammengeballt in dem großen, dunklen, ja finsteren Kreis. Das Licht kommt in die Finsternis und bricht sie auseinander, spaltet sie…“

Text: Pfr. Helmut Bertele

Chronik

1559 wird Enzisweiler erstmals erwähnt.

1927 bitten die Enzisweiler das Allerheiligste ständig in der Kapelle bewahren zu dürfen.

1932 wird ein großes Fest zur 100 Jahrfeier der Sonntagsmesse gefeiert.

1939 wird die Kapelle renoviert. Der Christus im Elend kommt in den Cavazzen. Erst jetzt wird die Kapelle mit Kirchenbänken ausgestattet.

Nach 1945. Nach dem Krieg wurde viel gebaut und die Kapelle konnte die Leute, die zur Sonntagsmesse kamen, nicht mehr fassen.

1965 stellte Frau Franziska Rauth aus Schachen der Diözese Augsburg einen großen Bauplatz zur Verfügung mit der Auflage, dort einen Kirchenbau zu erstellen.

1969 am 15. März wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Am 11. Oktober wurde die Pfarrei St. Johannes der Täufer gegründet. Der damalige Kaplan von St. Ludwig, Helmut Bertele, wurde mit der seelsorglichen Leitung der neu entstandenen Pfarrgemeinde betraut. Zusätzlich zu den Sonntagsmessen in der St. Markuskapelle wurde in der Volksschule in Schachen ein Gemeindegottesdienst gefeiert.

1970 erster Spatenstich für St. Johannes d.T. am 8. April.

1971 Grundsteinlegung am 23. Mai. Am 17. Oktober, dem Kirchweihsonntag, weihte Bischof Dr. Josef Stimpfle die neu erstellte Kirche.

Architekt: Regierungsbaumeister Willy Hornung, Ottobeuren. Künstlerische Gestaltung Michael Veit, München. Glasfenster: Entwurf Herbert Bessel, Nürnberg; Ausführung: Walter Derix, Rottweil. Orgel: Winfried Ablief, Lindau.

(Geografische Koordinaten der Kirche St. Johannes der Täufer: 47.561165, 9.663790)

Darstellung des Heiligen Ulrich, Diözesanpatron des Bistums Augsburg